Karl May - Der Schatz im Silbersee
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Eine Leseprobe mit freundlicher Unterstützung des Karl-May-Verlags in Bamberg
"Lieber Frank!", wiederholte der Kleine. "Wie schön akustisch das klingt! Was ich anfangen werde? Nu, loofen werde ich, was denn sonst?"
"Das weiß ich wohl, aber du wirst zurückbleiben. Du brauchst drei Schritte, wenn dein Gegner einen macht!"
"Leider Gottes!"
"Es fragt sich ferner, welche Strecke ihr durchlaufen sollt und ob du aushältst. Wie steht es mit dem Atmen?"
"Ganz vorzüglich. Ich habe eene Lunge wie `ne Hummel. Ich summe und brumme den ganzen Tag, ohne dass mir die Luft ausgeht. Loofen kann ich, habe ich als königlich sächsischer Forschtgehilfe lernen müssen."
"Aber mit so einem langbeinigen Indianer kannst du es nicht aufnehmen!"
"Hm! Das fragt sich noch."
"Er heißt der Springende Hirsch! Also ist Schnelligkeit seine Haupteigenschaft."
"Wie er heeßt, das is mir Wurscht, wenn ich nur eher ans Ziel gelange als er."
"Das wirst du eben nicht. Vergleiche deine Beine mit den seinigen!"
"Ach so, die Beene! Du denkst also, es kommt off die Beene an?""
"Natürlich! Auf was soll es denn bei einem Wettlauf um Tod und Leben sonst ankommen?"
"Off die Beene, ja, ooch mit, aber die sind noch lange nich die Hauptsache. Merschenteels hat der Kopp zu entscheiden."
"Der läuft doch nicht mit!"
"Freilich läuft er mit. Oder soll ich etwa meine Beene alleene fortspringen lassen und mit dem übrigen Korpus warten, bis sie wiederkommen? Das wäre eine gefährliche Geschichte. Wenn sie mich nich wieder fänden, könnte ich warten, bis mir neue gewachsen wären und das soll nur bei den Fröschen geschehen. Nee, der Kopp muss mit, denn der hat die Hauptarbeit."
"Ich begreife Sie nicht!“, warf Old Shatterhand ein, erstaunt über die Ruhe des Kleinen.
"Ich ooch nich, wenigstens jetzt noch nich. In diesem Momang weeß ich nur, dass e eenziger guter Gedanke besser is als e ganzes Hundert Schritte oder Sprünge, die am Ziel vorbeiführen."
Literaturangabe
Auszug aus Karl Mays "Schatz im Silbersee", Gesammelte Werke; Band 36; Karl-May-Verlag, Bamberg; 1997, S. 365-366
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. (c) Copyrigt Karl-May-Verlag, Bamberg; 1997
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